Der „Schlossvorplatz“ war ein ungeordnetes, unübersichtliches Konglomerat unterschiedlicher Nutzungen, Erschließung, Parken und Besucherzuführung. Historisch betrachtet, waren der Schlossvorplatz der „Hintereingang“ der Schlossanlage und die Scheune Teil des Kammergutes. Die vielfältigen funktionellen Anforderungen an den Schlossvorplatz forderten geradezu eine klare Gestaltung und Strukturierung heraus, die die Möglichkeiten von _ Eintreten in den Park, Verteilen, Sammeln, Verweilen, Ankommen und Abfahren von Besuchern_ eröffnen. Der Platz ist im Park gelegen, aber nicht Teil des Parkes. Die kritische Analyse von städtebaulichem Raum und Freiraumqualitäten, historischem Gebäudeensemble, gartendenkmalpflegerischen Vorgaben und geforderten Funktionen führte zur Zielformulierung einer „komplexen Einfachheit“. Als Akzent, Raumbildner und zugleich auch den Besucherstrom lenkendes Element erzeugt ein artifizieller Heckenkubus ein Alleinstellungsmerkmal für den steinern gehaltenen Pillnitzer Schlossvorplatz. Das Element des Heckenkubus eröffnet sowohl für das Hotel als auch für die Landesanstalt für Landwirtschaft neue spannende Raum- und Blickbeziehungen. Die Scheune blieb seit ihrer Erbauungszeit Anfang des 18. Jahrhunderts nahezu unverändert. Lediglich im Mittelteil wurden Holzstützen und Deckenbalken entfernt um stützenfreien Raum zu schaffen. Um die dadurch entstandenen Kräfteeinwirkungen auf die Außenwände abzufangen, wurden an den Außenseiten Strebepfeiler vorgelagert. Mit der Sanierung und dem Umbau der Scheune wird das Ziel der behutsamen Veränderung der Scheune unter möglichst weitgehender Beibehaltung der historischen Substanz und Erscheinung verfolgt. Zentraler Entwurfsgedanke ist der Bau eines neuen Hauses im historischen Gebäude. Das historische Mauerwerk, der alte Dachstuhl, die Tore, Fenster und Dachgauben bleiben erhalten, werden gesichert und saniert. Wenige neue Elemente werden in die Außenmauern eingebracht. Das neue Gebäude wird im Inneren von den Außenwänden abgerückt errichtet. Eine selbständige Tragstruktur steht unabhängig von der alten Scheune. Das Haus im Haus wird in einer modernen Architektur mit zeitgemäßen Materialien errichtet. Es kontrastiert konsequent den neuen Teil zu der historischen Scheune. Das Besucherzentrum, das Restaurant und die Verkaufseinrichtung erhalten eine Stahl-Glas-„Fassade“, ebenso ein verglastes Dach. Damit können die Besucher bis in den Dachspitz die historische Scheune in ihrer originalen Erscheinung erleben.

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