„Ich will nicht hübsch und lieblich tanzen“

Fünffach tanzt Gret Palucca über die Fassade. Drei Etagen hoch bis unter die Dachrinne. Damit wurde der Fassadenwettbewerb für das alte, neue Kanzleigäßchen zwischen Schlosshotel und Kanzleihaus gegenüber dem Residenzschloss gewonnen.

Palucca auf dem Sprung

Hier wurden Fotos von Dresdens berühmtester Tänzerin, Gret Palucca, in Beton gegossen. Mithilfe von Silikon-Matrizen wurden sie im Betonwerk geprägt. So wird die Palucca in der Struktur der Fassade vor allem von der Seite sichtbar, verfolgt den Betrachter beim Laufen. Wer dagegen frontal auf die Fassade sieht, wird kaum etwas erkennen. Dazu ist das Gässchen auch viel zu schmal.

Die Fassadenbilder zeigen Gret Palucca auf dem Sprung, so wie sie der Fotograf Hans Robertson 1930 sah. Robertson, geboren 1883 in Hamburg, war in den 1930er-Jahren einer der renommiertesten Porträtisten Berlins. Lange mussten wir nach diesen Bildern recherchieren, denn zum einen sollten sie prägend für die tänzerische Bewegung sein, zum anderen mussten sich die Baukosten in Grenzen halten. Letztlich fündig wurden wir in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen, die bei der Vergabe der Rechte half.

Die Palucca-Fassade gehört zu dem Großprojekt an der Schloßstraße. /1/ Die Fassade besteht aus großformatigen vorgehängten Sichtbetonelementen mit raumhohen Öffnungen. Die Entwurfsidee entstand aus dem Gedanken der Neuinterpretation der historischen Fassade in ihrer Wechselbeziehung zwischen Wand, Fenster, Kunst und Ornament. Die Oberfläche wurde streng geometrisch gegliedert in flächenbündige Fenster- und fein strukturierte Matrizenbetonflächen.

in Zusammenarbeit mit Architekturbüro Heike Böttcher

Fotos: Jan Oelker

/1/ Auszüge Peter Ufer SZ 22.02.2011